Ilse Mohr

Journalistin und Social Media Managerin

Ilse Mohr, Jahrgang: Tipp-Ex, ist Journalistin, Social Media Managerin (IHK), Diplom-Übersetzerin und lebt in Berlin. Als Silvernerd bloggt sie über Social Media, digitale Gräben, Netzkompetenz und Erlebnisse im Neuland mit ü50.

#Journalistin #Silvernerd #Netzkompetenz

Einen digitalen Graben in der Arbeitnehmerschaft braucht kein Mensch

Man liest es und ist fassungslos: In deutschen Unternehmen ist der Nachholbedarf an Digitalkompetenz erklärtermaßen zwar groß, doch in Weiterbildung wird nicht ausreichend investiert. Und für ältere Arbeitnehmer lohnt sich das schon mal gar nicht. Wer so denkt, zieht einen digitalen Graben durch seine Mitarbeiterschaft und blockiert den digitalen Wandel im Unternehmen.

Einerseits gehen neun von zehn Unternehmen davon aus, dass die Digitalkompetenz der Beschäftigten in Zukunft genauso wichtig wird wie fachliche oder soziale Kompetenz. Andererseits geben sechs von zehn Unternehmen an, dass die eigenen Mitarbeiter in Digitalkompetenzen nicht weitergebildet werden. Und jedes dritte Unternehmen meint sogar, dass eine solche Weiterbildung für Mitarbeiter, die älter als 50 Jahre sind, nicht sinnvoll sei. Diese Ergebnisse einer repräsentativen Befragung hat der Digitalverband Bitkom Ende Juni 2016 veröffentlicht(1).

Für den digitalen Wandel ist niemand zu alt

Das ist doch verrückt. Von ihren Kindern und Kindeskindern oder aus eigener Initiative haben Eltern und Großeltern längst gelernt, aus dem digitalen Wandel persönlichen Nutzen zu ziehen. Die private Neugier und Lernbereitschaft lassen sich auch für die Arbeitswelt nutzen.

Was jetzt für die Zukunft zu tun ist: Fortbildungsetats müssen tüchtig aufgestockt werden. Ältere Arbeitnehmer dürfen dabei nicht abgehängt werden. Ich bin überzeugt, dass man erstaunliche Mitgangsbereitschaft und ungeahnte Talente entdecken wird. Ältere Arbeitnehmer verfügen über einen Schatz an Berufs- und Lebenserfahrung, der durch Qualifizierungsangebote gewertschätzt und zukunftsfähig weiterentwickelt werden kann.

Altersgemischten Teams gehört die Zukunft

2030 werden nach Prognosen des Demografie-Portals von Bund und Ländern 38 Prozent der Erwerbsbevölkerung zwischen 55 und 75 Jahre alt sein; der Anteil der jungen Leute zwischen 15 und 30 schrumpft auf nur noch 19 Prozent. Digital Native zu sein, ist per se noch keine Qualifikation. Künftig wird man daher nur mit altersgemischten Teams bei der Digitalisierung der Arbeitswelt vorankommen.

Digital Native zu sein, ist per se noch keine Qualifikation. Künftig wird man daher nur mit altersgemischten Teams bei der Digitalisierung der Arbeitswelt vorankommen.

Prozesse der Digitalisierung haben ein Tempo, dass man es sich nicht leisten kann, auf die Kompetenz älterer Arbeitnehmer zu verzichten.

Alt und Jung gleichberechtigt zusammenzustecken und ihnen experimentellen Freiraum zu geben, wird ein Gewinn für jedes Unternehmen sein. Was in der Familie funktioniert, lässt sich auch auf die Arbeitswelt übertragen: voneinander lernen. Lebenslang.

(1) Bitkom-Umfrage: „Neue Arbeit – wie die Digitalisierung unsere Jobs verändert“

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