Anastasia Umrik

Initiatorin des Fotoprojekts anderStark und des Design-Labels inkluWAS

Anastasia ist 29, lebt in Hamburg und träumt von der Ferne. 2011 gründet sie „anderStark – Stärke braucht keine Muskeln“, das zunächst ein reines Fotoprojekt war, bei dem Frauen mit einer Muskelerkrankung außergewöhnlich in Szene gesetzt wurden. Heute gehört das Designlabel „inkluWAS – design, das denken verändert“ zu Anastasias Leidenschaften.

#Macherin #Inklusion #DigitalNative

Mut zur Freiheit

Neulich habe ich ein Buch über das beliebte Thema „Worum geht es im Beruf wirklich?!“ gelesen, nur um dann nachts wach zu liegen und zu grübeln: „Warum arbeite ich…? Und warum arbeiten die Anderen? Das Leben wartet!“

Das Leben steht auf keiner To-Do-Liste

Die meisten Menschen arbeiten, um irgendwann, wenn sie alt und sowieso zu schwach für alles Weitere sind, weniger arbeiten zu müssen. Ich merke immer mehr, dass das nicht mein Weg ist. Ich ahne, dass ich aufgrund meiner progressiven Muskelerkrankung gar nicht erst so alt werde, um die kleine Rente in einer Holzhütte am See mit einem Glas Wein in der Hand genießen zu können. Wahrscheinlich werde ich nie die Zeit haben, um am Meer zu sitzen und endlich meine Ideen, Visionen und Erlebnisse aufzuschreiben.

Der Gedanke daran, täglich an einem Ort zu arbeiten, aus demselben Fenster zu gucken und die Sonne nur an einem Sonntag im Monat auf meinem Gesicht zu spüren, ist für mich unerträglich. Ich möchte mich nicht damit anfreunden, eine längere Arbeits-To-Do-Liste zu haben, als ich körperlich oder zeitlich schaffen kann. Ich möchte nicht mehr gestresst ins Bett gehen und von ruhigeren Zeiten träumen. Sie werden nämlich nie kommen. Ich muss die ruhigen Zeiten selbst heranholen. Die Unternehmen sollten beginnen, ihre Strukturen und Arbeitsmodelle zu überdenken.

Die Unternehmen sollten beginnen, ihre Strukturen und Arbeitsmodelle zu überdenken.

Das Leben ist heute

Hier und da hört man immer wieder, wie sich alle – einschließlich mir – auf den Jahresurlaub freuen. Auf einen freien Abend. Auf das Ausschlafen. Auf mehr Zeit am Küchentisch. Mehr Zeit mit dem Partner. Mehr intensive Momente generell. Ich frage mich, warum sich keiner diese Zeit nimmt? Wenn jemand nur nach einem ausgiebigen Frühstück und nicht vor zwölf Uhr produktiv arbeiten kann, dann weiß ich nicht, warum man nicht ausgiebig frühstückt und ab zwölf Uhr motiviert am Schreibtisch sitzt. Warum gönnen wir uns so wenig Freiheit? Warum lassen die Unternehmen so selten diese kleine Freiheit zu?

In der Selbstständigkeit hat jeder öfter die Gelegenheit, nach dem eigenen Tempo und den individuellen Bedürfnissen zu arbeiten. In einem wirtschaftlichen Unternehmen ist es nicht immer leicht, die unterschiedlichsten Bedürfnisse unter eine Decke zu bringen. Erst wenn alle gemeinsam den Mut haben, Dinge und die Arbeit neu anzugehen, offen die Bedürfnisse und Erwartungen zu kommunizieren, dann eröffnen sich neue Perspektiven.

Neben der zeitlichen Flexibilität, die ein Unternehmen ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen sollte, wäre generell eine Firmenphilosophie sinnvoll, die verinnerlicht hat, dass jedes Unternehmen, jede Arbeitsstelle auch eine Verantwortung für jeden Menschen trägt, der sehr viel Zeit seines Lebens in den Büroräumen eines Unternehmens verbringt, sich die meiste Zeit des Tages mit den Produkten und Dienstleistungen auseinandersetzt und alles dafür tut, um die Marke nach vorn zu bringen.

Ich weiß, dass meine Vision und mein Drang nach Freiheit illusionär zu sein scheint, ein bisschen naiv und leicht (!) verrückt ist. Unmöglich ist es dennoch nicht, das weiß ich.

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