Stefan Pfeiffer

Portfolio Marketing Collaboration & Workforce Solutions bei IBM Deutschland GmbH

Stefan Pfeiffer ist zuständig für Marketing Collaboration & Workforce Solutions bei IBM. In seinem Blog digitalnaiv.de schreibt er über alles, was ihn beruflich beschäftigt.

#Collaboration #AI #Blogger

Kognitive Systeme statt Mikromanagement

Ein Projektmanager startet seinen Arbeitstag mit einem Team-Update. Dazu braucht er Feedback von allen Mitarbeitern und Zugriff auf ihre Präsentationen. Ein physisches Meeting ist dafür allerdings nicht nötig, es braucht noch nicht mal einen Computer. Der Manager hat über sein mobiles Gerät vollen Zugang. Jedes Mitglied des globalen Teams gibt ein Update, und trotzdem wird keine einzige E-Mail geschrieben. Stattdessen teilen sie ihre Ergebnisse in einer Collaboration-Plattform.

Natürlich kommen trotzdem noch externe E-Mails rein. Diese muss der Projektmanager jedoch zunächst nicht selbst sichten – das übernimmt sein kognitiver virtueller Assistent. Er priorisiert die Anfragen und beantwortet manche sogar selbst. Wenn das Projektteam schnell eine Analyse zu einem neuen Thema braucht, dann fungiert der kognitive Kollege als Expertenquelle. Vorher mit dem entsprechenden Wissen gefüttert, kann er die Analyse aufgrund seiner selbstlernenden Fähigkeiten liefern. Doch damit nicht genug: Der Kollege Computer behält auch den Überblick über alle Inhalte, die im Team erstellt werden, und stellt sie punktgenau und im richtigen Kontext bereit. Die Wissensarbeiter haben so den Kopf frei für die Inhalte ihres Projektes und sogar dafür, über die Grenzen hinauszudenken und bessere Ergebnisse zu liefern.

Alles nur Zukunftsmusik?

Ja und nein. Nein, weil diese technische „Vision“ schon heute zum großen Teil möglich ist. Kognitive Systeme können unstrukturierte Daten wie Texte, Bilder, Präsentationen und sogar Gespräche lesen beziehungsweise hören und „verarbeiten“. Und noch mehr als das: Kognitive Systeme wie IBM Watson verstehen diese Informationen auch, das heißt, sie können logische Zusammenhänge herstellen, Schlussfolgerungen ziehen, lernen und vorausschauende Handlungsempfehlungen geben. Der kognitive Kollege kann bei – durchaus komplexen – Routinetätigkeiten ein echter persönlicher Assistent sein.

Der kognitive Kollege kann bei – durchaus komplexen – Routinetätigkeiten ein echter persönlicher Assistent sein.

Arbeitsprozesse endlich vereinfachen

Dennoch ist diese Beschreibung des Arbeitstags weit entfernt von der Arbeit, wie wir sie alle kennen – und oft darunter leiden. Und das frustriert mich ganz persönlich. Weil es nicht nötig wäre. Wie die Digital-Working-Studie besagt, sind die meisten Arbeitsplätze nicht so ausgestattet, dass Teams wirklich digital arbeiten können. Die Arbeitnehmer selbst sind schon einen Schritt weiter und haben privat oft besseres Equipment. Und anstatt sich den Dingen widmen zu können, die den Beruf wirklich ausmachen, regiert die Ablenkungsgesellschaft: alltägliches Mikromanagement, E-Mails beantworten, Dokumente und Vorgänge suchen, Meetings vereinbaren und ständig alle Teammitglieder auf den gleichen Stand bringen. Das kann es 2016 eigentlich nicht mehr sein, nachdem der Forscher und Visionär Ray Tomlinson bereits 1971 den ersten Vorläufer unserer heutigen E-Mails schrieb. Ursprünglich war man einmal der Ansicht, dass diese Erfindung die Arbeitsprozesse vereinfachen würde. Zu dieser Idee müssen wir wieder zurück, damit wir bereit sind für die Visionen der Zukunft, für die heute schon verfügbaren und für die zukünftigen Möglichkeiten von Collaboration-Tools, Enterprise Social Networks, kognitiven und anderen aufregenden Innovationen, die noch auf uns warten.

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