selbstbestimmtes digitales arbeiten

Lars Gaede

Journalist

Lars Gaede ist Journalist, Moderator und Mitbegründer von „Work Awesome“, einer Konferenzreihe über die Zukunft der Arbeit in New York – und ab 2017 auch in Berlin.

#Journalist #EventCurator #FutureOfWork

Die Zukunft des Menschseins

Stellen Sie sich vor, es gäbe smarte Maschinen, die Krebsdiagnosen stellen können wie ein Arzt, der jede Krebsstudie der Welt gelesen hat. Stellen Sie sich vor, ein Programm könnte riesige Datenmengen analysieren und auf Knopfdruck kluge Artikel darüber schreiben: Finanzberichte, Unternehmensanalysen, Berichte von Baseballspielen. Stellen Sie sich vor, es gäbe Programme, die tausende Seiten juristischer Akten nach Argumenten durchforsten wie ein Junganwalt, Serverprobleme beheben wie ein Systemadministrator, Industrieanlagen energieoptimieren wie ein Ingenieur. Nur eben automatisch und in Sekundenschnelle. Stellen Sie sich vor, all das passierte nicht in irgendeinem Science-Fiction-Roman, sondern im Hier und Jetzt.

Denn stellen Sie sich vor: So ist es.

In den vergangenen Jahren gab es enorme Fortschritte in den technologischen Feldern künstliche Intelligenz, Machine Learning, Sprach-, Muster- und Bilderkennung. Maschinen können nicht länger nur heben, schweißen, bohren. Maschinen können jetzt auch lernen – und sie lernen gerade zu denken. Maschinen können so immer komplexere, kognitive Aufgaben meistern, von denen wir bislang immer dachten: Das können doch nur wir! Es gibt Studien, die besagen, dass ein signifikanter Teil der Beschäftigten in Deutschland in Berufen arbeitet, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in den nächsten zehn bis 20 Jahren automatisiert werden können. Deshalb ist es höchste Zeit darüber nachzudenken, wie wir uns für die Ära der klugen Maschinen wappnen können – zum Beispiel durch veränderte Bildungsangebote. Wir müssen einen Weg finden, wie eine Arbeitsteilung zwischen uns und den Maschinen aussehen kann, von der viele Menschen profitieren – und nicht nur ganz wenige.

Wir müssen einen Weg finden, wie eine Arbeitsteilung zwischen uns und den Maschinen aussehen kann, von der viele Menschen profitieren – und nicht nur ganz wenige.

Aber wir sollten bei alldem nicht in Panik verfallen. Erstens gibt es die Angst, dass eine neue Technologie das Ende der Arbeit bedeuten könnte, schon seit der Erfindung des Webstuhls vor mehr als 200 Jahren – gekommen ist es nie. Zweitens kann man es auch als Befreiung verstehen, wenn Maschinen uns gerade von den sehr routinierten, repetitiven Aufgaben befreien, die sie eh am besten können (und uns Menschen selten glücklich machen). Drittens: Wenn es tatsächlich so weit käme, dass Erwerbsarbeit nicht mehr als zentraler Verteilungsmechanismus für den gesellschaftlichen Wohlstand dienen kann, dann einigen wir uns vielleicht auf einen anderen – das bedingungslose Grundeinkommen? Viertens zwingt uns der neue Wettbewerb mit den Maschinen vielleicht dazu, uns stärker auf jene menschlichen Talente zu besinnen, die am schwierigsten zu automatisieren sind: Empathie, Kreativität, Ideenfindung. Es sind nicht die schlechtesten.

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